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Mechanische Slot Machines

Restauration "Aristocrat Nevada"

Im Herbst 2005 erhielt ich eine Email, in der einige Fragen über einen mechanischen Banditen der Firma Aristocrat gestellt wurden. Da ich schreibfaul bin, habe ich geantwortet, dass man so etwas besser am Telefon bespricht. Kurz danach rief mich Frank (so heisst der Besitzer des Aristocrat) auch an und stellte viele Fragen... Irgendwann hörte ich auch das Wort "Restauration" auf das ich selber wohl nie im Zusammenhang mit einem Aristocrat gekommen wäre. Das sind nette, solide Geräte und unbedingt anfängertauglich, aber so etwas restaurieren..? Frank meinte es aber durchaus ernst und schickte mir ein paar Bildern von Flippern an denen er gearbeitet hatte. Ich war dann sehr schnell überzeugt, dass er es erstens Ernst mit seinem Vorhaben meint und zweitens auch, dass er das nötige Können und die nötige Geduld hat. Er hat mich in allen Schritten seiner Restaturation auf dem Laufenden gehalten und ich hoffe, ihm den einen oder anderen Tipp gegeben haben zu können. Als ich die ersten Bilder des Gerätes sah, habe ich Frank gefragt, ob er nicht einen Bericht über diese gelunge Restauration für diese Seite machen wollte. Hier ist er!

Aristocrat Nevada Gold Star, 1964

Restaurationszeitraum 11/05 bis 2/06.

Besitzer/Restaurator: Frank Lamberty

Ankunft des Aristocrat Nevada Gold Star, Import aus Chester, England, Produktionsdatum: 24.08.1964. Die Maschine stand seit 1972 beim Vorbesitzer, daher auch die relativ gute Grundsubstanz und wenig Rost. Die Elektrik war außer Funktion, Röhren und Starter fehlten; auch eine Kabelverbindung hatte sich gelöst. Und technisch war das Gerät noch intakt, aber überall stark verharzt und verölt. Na dann...

Der Chrom hatte einige Schlieren und Abnutzungserscheinungen, wie hier unter dem Paytable-Bereich gut zu sehen. Auf der schwarzen Kunststoffabdeckung klebte einst eine englische 2 Pence-Münze, die vorsichtig mit einer Heißluftpistole entfernt wurde. Auch die Walzen waren an ihrer Oberfläche mit einem hartnäckigen Ölfilm versehen. Um die 2 Pence-Münzung in eine optimale Euro-Größe umzuwandeln, lag hier nahe, sich für eine fast gleich große 2 Euro-Münze zu entscheiden. Konsequenz: Leichte Änderung der Gewinnhöhen.

Die Walzen der komplett überholten Maschine. Apropos: Erst Grundreinigung mit Bremsenreiniger, dann Neufettung beweglicher Teile und Zerlegung der in sich gelagerten Walzeneinheit, die dann mit Ambersil- Silikonspray bestens auf Touren kamen, als sie erst nicht so wollten. Auch die Innenblende wurde neu lackiert, hier leider nicht zu sehen.Und ein neues Glas war schnell besorgt. Der Glanz des Kunststoffs kam mit Novos 1 und 2 zustande, einer Kunststoffpolitur, die oft für verkratzte Flipper-Plastics verwendet wird. Hier ist auch schön zu sehen, dass auch was für den Blick ins Innere getan wurde: alles gereinigt.

Das Dekorglas hatte inzwischen einiges abbekommen und drohte an vielen Stellen abzuplatzen. Auch durch scheinbar versehentliches Nichtbefestigen des Jackpots bekam er weitere dicke Patzer ab. Schwierig sollte sich das „D“ gestalten, denn auch bei Durchlicht durfte eine Korrektur nicht sichtbar sein.

Das restaurierte Dekorglas: Die maroden Stellen wurden erst einmal bis zu Bereichen frei gekratzt, an denen der Lack noch besser haftet. Dann war Farbenmischen mit Revell-Lacken angesagt. Die Farbe musste allerdings stark verdünnt werden, um transluzent zu bleiben. Sämtliche Arbeiten erfolgten unter Durchlicht. Tipp: Erst Konturen mit schwarz in etwa auftragen, erst nach dem Trocknen mit einem Cutter die Details ritzen. Perfekter als jeder Pinsel. Dann Farbe für Farbe nebeneinander, zwischendurch auch hier immer wieder ritzen. Farben dürfen sich hier nicht überlagern, da man’s sonst sieht. Im Anschluss daran wurde das gesamte Glas von hinten bis auf die Aussparung weiß lackiert. Hier unbedingt einheitliche Lackhersteller beachten, sonst könnte es Überraschungen geben.

Hier sieht man den Münzeinwurf, dessen Verchromung nicht mehr zu retten war. Auch die Münzbezeichnung haben findige Engländer vermutlich aufzurubbeln versucht. Tja, Glücksspiel eben.

Weiterhin hat auch der Rückgabebutton stark gelitten und hier war ebenfalls eine Erneuerung fällig.

Der neu verchromte Münzeinwurf. Die restlichen Metallteile wurden poliert. Das 2 EUR-Schild entstand auf einem s/w-Laserdrucker auf Folie. Tipp: Material mehrmals kopieren, dann deckt schwarz voll ab. Danach goldener Farbauftrag von der Rückseite. Der Rückgabe-Button entstand am Mac und wurde auf dc-fix-Chromklebefolie mit einem Farb-Laserdrucker bedruckt. Da die Fixierung hier nicht haftet, wurde die Vorlage nun laminiert – fertig. Und: die Rückwand wird durch ein neues Metallblech verkleidet, das sich hier prima dazwischen schrauben ließ.

Ein Blick noch mal auf die Walzen – und die Münzrückgabe. Rost zierte die Innenfläche – und auch ein Hinweisschild bezüglich Auszahlquote sollte nun erneuert werden. Natürlich kam auch der schwarze Lack, der die Prägung „reject coins“ umgab, ordentlich in die Jahre.

Die Mechanik danach. Durch den Bremsenreiniger von schwarzem, klebrigen Schmutz befreit. Hier zu sehen: Das Uhrwerk und ein Teil des Timerlüfters. Ebenso die Gewinnermittlung.

Der Kassenbereich nach vielen Einsätzen mit einem Riesen-Schlüsselbund. Das Alublech hatte einiges abbekommen, die Schale war recht stark oxidiert. Auch das Schloss passte perfekt ins Bild.

Da musste der Metallbauer ran: Hier sieht man den Nachbau des Blechs, das nun 1:1 neu gestanzt, gefräst und genietet wurde. Auch die Schale ließ sich gut auf Vordermann bringen: Mit einem vernünftigen Polieraufsatz war die Sache in nur einer Stunde erledigt. Das neue Schloss sollte übrigens wieder ein Zylinderschloss für Slot Machines sein, dieses war bei Animazing in Regensburg in der Originallänge erhältlich. Sonst nicht so einfach zu kriegen. Passend dazu wurde gleich ein Unterbau aus einem IKEA-Regal konstruiert (Achtung, unbedingt von innen verstärken). Damit alles zusammen passt, ziert nun ein Aufsatz aus demselben neuen Blech dessen Aufstellfläche .

Die Tür nach dem Abbau sämtlicher Teile. Recht starke Kratzer im Chrom, ein Loch für einen Service-Schalter sowie Bläschen in der Oberfläche machten einen weiteren Einsatz fraglich. Wichtig war nun, eine neue Tür zu organisieren. Und wer ist da bestens sortiert? Na klar, Jens Bieler, der auch tatsächlich so ein gutes Stück noch da hatte. Perfekt, hier noch mal Danke, Jens!

Es wird, es wird… Hier die neue Tür (und eigentlich die richtige, denn die vorher verbaute gehört zu einer Version mit Münzkarussell). Ein Blech hinter der quadratischen Aussparung wurde nachträglich eingeschweißt, um dort Manipulationen am Münzprüfer zu vermeiden.

Da dieser Bereich aber wieder original hinterleuchtet werden sollte, musste es dran glauben, allerdings ließ es sich problemlos raus flexen. Auch zu sehen: Die Hülsen für den Arm. Diese wurden ebenfalls neu verchromt. Hier zeigte sich übrigens, dass die Elektrik noch bestens intakt war, vermutlich aber einen ziemlichen Dornröschenschlaf hinter sich hatte.

Sicht ins Gehäuseinnere; Der Originallack war stark vergilbt, verölt und die Bodenplatte verrostet. Auch der an der Rückwand angebrachte Schaltplan ließ sich nicht mehr genau entziffern. Und die Elektrik sah etwas zerpflückt aus.

Das Gehäuse nach der Komplett-Lackierung im gleichen Farbton minus Gelbstich. Vom Autolackierer angemischt und 2-fach lackiert. Auch die Schubladen und deren Fassung erstrahlen nun wieder im Originalfarbton Braun. Beide Bodenplatten folgten in punkto Lackierung und sind wieder satt schwarz. Ebenso wurde in neuer Schaltplan eingeklebt. Ein eigens dafür gestaltetes Deko-Schild nach Original-Gestaltungselementen ziert nun das Gehäuse. Es wird lediglich mit Magneten befestigt, sodass es bei der späteren, nicht ganz vibrationsarmen Nutzung nicht verrutschen kann.

Die Hebelmechanik – zwar ordentlich verschmutzt – aber der Zahn der Zeit konnte ihr bis heute nichts Ernstes anhaben. Gut zu sehen: Die verharzten Ölspritzer, die sich satt über den ganzen Maschinen-Innenraum verteilen.

Alles wieder bestens. Wichtig war hier, die oben befindliche Luftpumpe so zu justieren, dass der Hebel nur langsam wieder in seinen Ursprungszustand zurück geht. Das Netzteil konnte auch ein wenig Touch-up vertragen. Sämtliche Fallrinnen kommen jetzt ebenfalls wieder tiefschwarz daher.

Ein Blick unter die Schublade. Hier war bereits jemand mit Methoden nach Gutsherren-Art dran. Na ja, das schien jedoch kein größeres Problem zu sein. Dem Lack sah man die Spuren der Vergangenheit noch deutlicher an.

Alles montiert, die Elektrik klappt. Es war schon tiefste Nacht, hier ein Foto vom allerersten Testlauf. Sämtliche Korrekturen im Dekor sind auch bei Durchlicht nicht mehr zu sehen. Anstelle der herkömmlichen Röhren kommen hier Warmlicht-Leuchtstoffröhren zum Einsatz. Jetzt ebenfalls zu sehen: Die neue Paytable-Variante mit konstruktionsbedingten, verminderten Auszahlhöhen für die aktuelle Euro-Münzung.

Hier dann optimal:

Die fertige Gold Star mit Befüllung. Ebenfalls zu sehen: Die mittlerweile wieder weiße, abgeschliffene Dichtung und das neue Paytable-Design, das nicht nur gescannt, sondern mit InDesign in Pfaden komplett neu gebaut wurde. Auch das Typenschild „Nevada“ wurde von hinten an den Kanten geschliffen und durchlichtfähig nachlackiert. Der Unterbau ist übrigens gegen Vibration an drei Flächen gedämpft. Man kann nun bequem dran spielen. Das war’s. Die über 40 Jahre sieht man ihr nicht mehr an. Also dann: Es darf gezockt werden.

Hier noch einige zusätzliche Feature-Bilder:

Umrüstung auf D-Kaltgeräte-Stecker mit Schalter

Blick ins Innere nach der Restauration

Die Schublade mit neuem Schaustoff und neuem “Bordbuch”

Blick auf den Jackpot mit neuem Glas

Walzeneinheit von der Seite

 
   

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