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Mechanische Slot Machines
Überholung "Jennings Sun Chief"
Die nächste Restauration, die ich hier besprechen werde, ist die eines Jennings Sun Chiefs aus den 50/60er Jahren. Der Jennings gehört für mich zu den schönsten jemals gebauten Geräten und stand schon lange auf meiner Wunschliste. Ich habe das Gerät bei Ebay gekauft, wo es als stark reparaturbedürftig und nicht ganz vollständig inseriert wurde. Auf Anfrage schickte der Verkäufer sofort weitere Bilder. Auf ihnen konnte ich sehen, dass einige sehr wichtige Teile fehlten, worüber ich den Verkäufer informierte, der daraufhin sofort seine Beschreibung änderte. Schön, dass es bei Ebay noch ehrliche Menschen gibt! Mich störten die fehlenden Teile allerdings weniger, da ich sie alle in meinem Ersatzteilvorrat habe.
Hier ein Bild des Jennings, wie ich ihn bekommen habe.

Bild: Jennings Sun Chief
Wie leicht zu erkennen ist, fehlt der Spielhebel und der Zustand des Chrom ist auch sehr schlecht. Auf den ersten Blick ist das ganze Gerät nicht besonders gut erhalten. Ich habe mich sofort nach dem Abholen ans Zerlegen gemacht und dabei bemerkt, dass speziell das Holzgehäuse noch hervorragend in Schuss ist.

Bild: Gerät von Innen
Der obere Teil der Metallabdeckung weist abblätternden Chrom auf, ebenso die hintere obere Abdeckung. Der untere Teil der vorderen Metallabdeckung erwies sich nach erfolgter Reinigung ebenfalls noch in sehr gutem Zustand. Allerdings ist dieser Teil aus Blech und nicht wie die oberen Teile aus Aluguss.

Bild: Gehäuse während des Zerlegens
Auf dem folgenden Bild ist übrigen bereits ein Spielhebel provisorisch eingebaut. Damit ist es erheblich leichter, die Maschine mal kurz zu checken.

Bild: Detail Walzenglas
Nachdem alle Teile von Gehäuse entfernt worden waren, wurde das Holz gründlich gereinigt. Der erste Eindruck über seinen guten Zustand täuschte nicht, auf eine Restaurierung kann also verzichtet werden. Das gleiche gilt auch für die untere vordere Metallabdeckung, die ich auch nur gereinigt und poliert habe, ebenso den Indianerkopf.
Bild: Gehäuse und untere Abdeckung nach der Reinigung
Nach dem Zerlegen des Gehäuses zeigte sich, dass alle Beschlagteile zwar nicht übermäßig verrostet sind, aber andererseits optisch nicht mehr meinen Vorstellungen entsprachen. Ich habe also beschlossen, alle Beschlagteile neu verzinken und anschließend blau chromatieren zu lassen. Dies entspricht ziemlich genau dem Originalzustand. Beim Verzinken müssen glücklicherweise keine der vielfach verwendeten Nietverbindungen gelöst werden, da der Zinküberzug bei einer galvanischen Verzinkung auch in sehr enge Ritzen vordringt. Auch braucht leichter Rost nicht mühevoll entfernt zu werden, da die Teile eine Vorbehandlung in mehrern Bädern durchlaufen, die solche Rostansätze entfernen. Sämtliche Gehäuseschrauben werden ebenfalls neu verzinkt. Das folgende Bild zeigt alle Beschlagteile vor der Verzinkung. Mit der Restauration der Maschine beginne ich erst nach Fertigstellung des Gehäuses, ich möchte nicht zu viele Baustellen auf einmal betreiben.

Bild: Anbauteile fertig zum Verzinken
Während die Teile beim Verzinken sind, ist Zeit genug sich einmal Gedanken über die Name- und Awardcards des Gerätes Gedanken zu machen. Die Maschine, die ich gekauft habe, enthält das sehr verbreitete Spielsystem TicTacToe. Wie ich schon sagte, ist die Mechanik alles andere als vollständig, was aber nicht dramatisch ist, da ich eine weitere Mechanik habe, die zwar stark restauratonsbedürftig ist, aber vor allen Dingen vollständig. Diese hat allerdings ein anderes Spielsystem, nämlich Bingo. Interessanterweise ist der einzige Unterschied zwischen beiden Systemen das Gewinnsymbol für den Jackpot. Beim TicTacToe ist es auf Walze 1 Tic, auf Walze 2 Tac und auf Walze 3 Toe. Die entsprechenden Felder beim Bingo lauten Bi N Go. Die restliche Belegung der Walzenstreifen ist vollkommen identisch. Ich werde das Gerät in der TicTacToe Variante aufbauen, da die Originalwalzenstreifen hier in einem sehr guten Zustand sind. Damit ist die Frage nach dem Inhalt der Awardcard (oder auch des Gewinnplans) gelöst, nicht aber deren optischer Gestaltung. Man kann für Jennings Geräte recht gut diese Karte (ebenso das obere Namensschild) als Nachdruck bekommen, aber deren Qualität ist sehr stark wechselnd, außerdem ist es kein Problem diese Karten selber zu machen. Es ist sehr schwer festzustellen, welches Design der Karte original in diesem Gerät einmal verwendet wurde. Da es ein Jennings Sun Chief in der nicht beleuchteten Variante ist, baue ich beide Karten im klassischen Sun Chief Look nach. Dieser hat eine Sonne mit Strahlenkranz als Motiv. Leider habe ich keine gute Darstellung im Internet gefunden, also versuche ich mich dem Original so weit wie möglich anzunähern. Die Karten werden auf dem Mac mit der Software "Freehand" erstellt, hier schon mal eine verkleinerte Darstellung.

Bild: Award Card "Sun Chief"

Bild: Name Card "Sun Chief"
Beide Grafiken sind im Downloadbereich verfügbar. Bei der Höhe der Gewinne, sprich der Anzahl von Münzen, die für eine bestimmte Gewinnkombination gegeben wird, kann sich noch etwas ändern, da ich mich noch nicht entschieden habe, auf welche Euromünzsorte ich das Gerät einstellen werden. Von der entsprechenden Dicke hängt die Anzahl der ausgeworfenen Münzen ab.
(An dieser Stelle mal eine kurze Bemerkung zu Originalteilen: Natürlich ist ein Originalteil immer die beste Lösung. Manchmal aber nicht mehr zu beschaffen oder unbezahlbar. Bei Teilen wie den gerade angesprochen Karten ist diese Lösung für mich aber vollkommen akzeptabel. Auch bei einer fehlenden Rückwand oder Kassenbox ist ein (allerdings qualitativ hochwertiges, deshalb baut man es am besten selbst) Nachbauteil für mich ok. Diese Teile kann man sehr leicht gegen Originale tauschen, wenn man doch mal die Chance hat, welche zu bekommen. Aber, und das ist jetzt ein sehr wichtiger Punkt, wenn man ein Gerät verkauft, bei dem man z.b. eine Nachbaurückwand verwendet hat, halte ich es für eine Pflicht des Verkäufers den Käufer entsprechend zu informieren. Meiner Erfahrung hat es (und sollte auch nur) nur einen geringen Einfluss auf den Kaufpreis. Aber der Fairness halber muss es erwähnt werden.
Die erste Ladung ist vom Verzinken zurück. Ich konnte es gar nicht glauben, es hat nur eine Woche gedauert! Angekündigt waren zwei. Ich habe schon sehr viele Teile verchromen oder sonstwie bearbeiten lassen und es hat bei der Abgabe der Teile immer geheissen, dass es zwei Wochen dauern würde, aber es wurden immer mindestens sechs! Dazu sind die Teile noch in einer absoluten Spitzenqualität! Hier ein Bild der Teile (auf dem allerdings die Pumpe nicht drauf ist...), die schon weiter oben abgebildet waren. Bemerkenswert ausserdem, es fehlte nicht eine Schraube (Es war eine ganze Tüte Schrauben dabei, die auf dem Bild nicht gezeigt werden).

Bild: Gehäuseteile nach dem Verzinken
Die Webseite der Firma Oftech, die diese Arbeiten durchgeführt hat, steht bei den Links.
Ich habe natürlich sofort mit dem Zusammenbau des Gehäuses begonnen. Auf dem folgenden Bild kann man gut erkennen, wie schön die Teile geworden sind.

Bild: Blick ins Gehäuse während des Zusammenbaus
Als nächstes werden einige Aluteile, wie die Maschinengrundplatte zum Glasperlenstrahlen gebracht.
Glasperlenstrahlen geht schnell, einen Tag später waren die Teile bereits fertig. Ich habe ausser der Maschinengrundplatte noch die Auszahlschale, den oberen Teil der Münzröhre und ein relativ grosses Aluminiumteil des Jackpots strahlen lassen. Glasperlenstrahlen ist sehr fein, insofern sind auch Gewinde kein Problem.
Hier zwei Vergleiche von Bereichen der Maschine vorher/nachher.
Alle verwendeten Teile incl. Schrauben und Muttern sind die Originalteile, die wie weiter oben schon erwähnt, lediglich neu verzinkt wurden. Nach der Fertigstellung der Maschine werden die Gehäuseteile noch neu verchromt werden. Viele Leute, die sich mit alten Automaten beschäftigen, stehen der Neubeschichtung von Teilen kritisch gegenüber, für mich ist das neue Beschichten von Teilen vollkommen in Ordnung, wenn die Original in einem so schlechten Zustand ist, wie in diesem Fall.
Nächster Arbeitsschritt ist die Restauration der Maschineneinheit. Dazu wird sie ersteinmal komplett zerlegt und gereinigt. Meine übliche Vorgehensweise dabei habe ich bereits bei der Beschreibung der Tura Restauration erklärt. Die Jennings Maschine ist extrem schmutzig, wie man auf dem folgenden Beispielbild sehr schön erkennen kann.

Bild: Maschine während der Zerlegung
Nachdem die Maschine komplett zerlegt worden ist, wird jedes Teil gereinigt und auf eventuelle Beschädigungen geprüft. In meinem Fall war ausser ein paar Kleinigkeiten nichts zu finden, deshalb können die teile dann ebenfalls zum chromatieren weggeben werden.

Bild: Maschinenteile vor der Beschichtung
Wenn die Teile von der Beschichtung wieder zurück sind, kann direkt mit dem Zusammenbau begonnen werden. Mit dem Gehäuse kann erst dann weitergemacht werden, wenn die Teile vom Verchromen zurück sind, was erfahrungsgemäss dauert.
Auch diese Ladung Teile war schnell vom Beschichten zurück, so dass direkt mit dem Zusammenbau begonnen werden konnte. Ich möchte hier nicht alle Einzelheiten zeigen, aber ein paar Details müssen schon sein. Die nächsten beiden Bilder zeigen einige Details, die den Zustand der Teile nach dem Verzinken recht gut zeigen.

Bild: Detailansicht der Maschine während des Zusammenbaus

Bild: Detailansicht zwei der Maschine während des Zusammenbaus
Während des Zusammenbaus der Maschine gilt es einige Dinge zu beachten. Eine neue Beschichtung fügt -das sagt schon der Name- auf alle Teile zusätzliches Material auf. Dies kann besonders bei Passungen dazu führen, dass die betreffenden Teile nicht mehr freigängig sind. Ein Hebel auf einer Welle könnte also klemmen oder die Münzschieber bewegen sich nicht einwandfrei in ihren seitlichen Führungen. Jede derartige Passung muss also auf Freigängigkeit geprüft und nötigenfalls mit sehr feinem Schleifpapier (ich nehme in solchen Fällen 400er Körnung) nachgearbeitet werden. Zusätzlich muss natürlich jede Lagerstelle gefettet werden. Wenn die Maschine bis auf die Walzeneinheit komplett zusammengebaut ist, führe ich immer einen Probelauf durch. Da die Walzen nicht den Blick auf die Innereien verdecken, kann man sehr schön die Funktion und die verschiedenen Spielphasen testen. Diese Maschine hier funktionierte dabei schon fast vollständig, lediglich die Jackpoteinheit verlangte noch ein wenig Feinjustage.
Hier ein Bild der Maschine vor und nach der Restauration.

Bild: Maschineneinheit vorher/nachher
Alle verwendeten Teile sind original inclusive der Schrauben und Federn. Lediglich die Federn der Tastarme mussten ersetzt werden. Der Escalator (Münztransportband) wurde ebenfalls überholt. Hier musste jedoch eine neue Passschraube angefertigt werden, mittels einer Drehbank aber keine grosse Geschichte.
In der Zwischenzeit habe ich die beiden oberen Teile des Gehäuses und den Spielhebel samt Buchse zum Verchromen gebracht. Innerhalb von 4 Wochen kamen alle Teile in zurück, die Verchromerei hat ihren Termin sehr gut eingehalten. Durchgeführt hat diese Arbeiten die Firma A. Kruse in Langenfeld/Rheinland. Hier stimmen die Beratung, die Qualität, der Preis und -wie schon- gesagt, die Einhaltung der versprochenen Liefertermine! Ein Link auf ihre Homepage ist auf der Linkseite.
Jetzt kann das Gehäuse wieder zusammengebaut werden. Alle Glasscheiben wurden natürlich erneuert, hier waren zuviele Kratzer zu sehen. Hier ein paar Bilder des fertigen Gerätes.

Bild: Gerät vorher/nachher
Auf dem Bild fällt auf, dass aus einer "Deci-Belle" ein "Sun-Chief" geworden ist. Dieses Gerät wurde wie viele andere auch, auf einen sogenannten "2-Pull" Betrieb speziell für den englischen Markt umgebaut. Ich habe das Gerät wieder in den amerikanischen Urzustand versetzt.

Bild: Gehäuseoberteil nach der Restauration

Bild: Escalator nach der Restauration

Bild: Jackpotbereich nach der Restauration

Bild: Das komplette Gerät nach der Restauration
Damit ist die Restauration abgeschlossen. Die ganze Sache hat ungefähr zwei Monate in Anspruch genommen, was für ein solches Projekt im üblichen Rahmen liegt. Hier sind es immer die Wartezeiten auf die Chromteile etc. die die Sache recht langwierig macht.
Noch eine Antwort auf einige Mails, die ich bekommen habe:
Das Gerät ist unverkäuflich!
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