| forum | impressum | contact | guestbook | home |  

 

Mechanische Slot Machines

Überholung "Jennings Governor"

Damit nach der Restauration des "Sun Chief" keine Langeweile aufkommt, starte ich direkt das nächste Projekt. Es ist wieder ein Jennings, aber dieses mal handelt es sich um das Modell "Governor". Hier ein Bild der Maschine in dem Zustand, wie ich sie bekommen habe. Im übrigen habe ich auch für dieses Projekt wieder ca. zwei Monate angesetzt. (Ich vermute ich bin fertig bevor ein Freund von mir, der gerade einen Porsche Motor restauriert, den ersten Zylinderkopf fertig hat.... Keep going, Ralf!)

Bild: Jennings "Governor" (ca. 1965)

Eine erste Bestandsaufnahme ergab, daß der Mechanismus in einem Top Zustand ist und nach wenigen Justagen jetzt auch einwandfrei funktioniert. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich die Einheit lediglich komplett zerlegen und reinigen. Weniger gut ist das Gehäuse, hier muss neben den offensichtlichen Chromarbeiten, viel am Holz getan werden.

Da die Restauration des Governors der des Sun Chiefs recht ähnlich sein wird, werde ich mich bei dieser Beschreibung recht kurz fassen und nur über einige Besonderheiten berichten. Ich habe das Gerät gestern bekommen und heute erstmal das Gehäuse vollständig zerlegt.

Diesmal fange ich mit der Mechanik an. Wie schon gesagt, ist die Maschine in einem sehr guten, wenn auch schmutzigem Zustand. Vor dem Zerlegen prüfe ich jede einzelne Funktion, dadurch ist es einfacher, später in auseinandergebauten Zustand direkt nach der Ursache eines möglichen Fehlers zu suchen. Die meisten Fehler lassen sich aber direkt beim Testen beheben. Der erste Fehler, den ich an dieser Maschine entdeckt habe, war ein nicht funktionierender Jackpot. Dies ist eigentlich ein typischer Fall, da der Jackpot normalerweise vor einem Verkauf geleert wird und die meisten nicht fachkundigen Leute dies machen, in dem sie die Jackpoteinheit entfernen. Beim Jennings sind aber beim späteren Wiederanbau ein paar Dinge zu beachten, die dann häufig bei Nichtbeachtung zu Funktionsstörungen bis hin zum völligen Ausfall der Jackpoteinheit führen können. Bei meiner Maschine war der Jackpotresethebel falsch positioniert, was schnell behoben werden konnte. Ein etwas ernsteres Problem waren die Bremshebel, deren Oberteile, -dies sind die Teile der Bremshebel, die in die jeder Walze zugeordneten Zahnräder greifen und die Walzen dadurch anhalten-, stark verschlissen waren. Dies macht sich durch einen unsauberen Stopp der Walze bemerkbar, die Walze wird dabei nicht sofort angehalten, sondern springt im Extremfall noch eine Position weiter. Glücklicherweise habe ich diese Teile noch, ansonsten wäre nur eine Neuanfertigung möglich gewesen, was aber auch nicht übermassig problematisch gewesen wäre.
Dieser „Governor“ ist für den englischen markt auf den sogenannten „2-Pull“ Betrieb umgerüstet worden, dass heißt man kann nach dem Einwurf einer Münze zwei Spiele machen. Eigentlich ist diese Umrüstung nicht sehr aufwendig zurückzubauen, da lediglich zwei Hebel im Escalator miteinander verbunden sind. Diese müssen nur getrennt werden, um wieder in den „Single Pull“ Betrieb zu kommen. Allerdings ist bei meinem Gerät auch die Auszahlung an den zwei Pull Betrieb angepasst worden, indem der Höchstgewinn, der aus der Auszahlröhre bezahlt wird, auf neun Münzen begrenzt wurde. Um dies wieder zu ändern, müssen andere Münzschieber eingebaut werden, die ich allerdings im Moment nicht habe. Ich mag allerdings den zwei Pull Betrieb nicht, da hierbei im Escalator nur in jeder zweiten Position eine Münze liegt. Der Grund dafür ist simpel, die oben bereits erwähnte Verbindung zweier Hebel ist ein Trick, durch den eine einzelne Münze an zwei verschiedenen Positionen im Escalator eine Spielfreigabe erwirkt. Dadurch dass die Münze aber bereits nach dem ersten Spiel eine Position weitergerückt ist, und keine neue eingeworfen werden kann (dies wird durch ein Abscheideblech im Escalator verhindert) um ein neues Spiel zu starten, bleibt zwischen zwei eingeworfenen Münzen eine Lücke. Ich finde dies optisch recht störend und werde auch dieses Gerät wieder auf den Originalzustand (Single Pull) umrüsten, sobald ich die passenden Münzschieber habe.
In der Zwischenzeit habe ich die Maschine bereits komplett zerlegt, alle Einzelteile geprüft und gereinigt und bin im Moment wieder am Zusammenbau. Obwohl die Maschine fast identisch mit der des „Sun Chief“ ist, sind doch einige Unterschiede zu erkennen. Diese betreffen den Jackpot und die Rückstellung der Bremshebel. Da der Governor neuer ist, sind diese Unterschiede wohl auf Kostenersparnis begründet. Allerdings funktionieren beide Varianten zuverlässig.
Der Jennings ist für eine Reinigung sehr gut geeignet, da man hier sehr schön abschnittsweise vorgehen kann. Ich habe als erstes die komplette Jackpoteinheit, dann den Escalator, danach die Hauptmaschine und als letztes die rechte Seite der Maschineneinheit zerlegt und gereinigt. Der aufwendigste Teil ist sicherlich die rechte Maschinenseite. Im übrigen ist das „nur“ Reinigen einer Maschine keineswegs- wie man vermuten könnte- weniger Arbeit als eine Restauration wie sie an dem „Sun Chief“ durchgeführt wurde. Jedes Teil muss hier per Hand gründlich gereinigt werden. Bei der neuen Beschichtung von Teilen wird dieser Teil der Arbeit meistens von der Beschichtungsfirma übernommen.

Mittlerweile ist die Maschine wieder komplett zusammengebaut und in allen Funktionen getestet und einwandfrei. Eine gereinigte Maschine sieht war nicht hundertprozentig aus wie neu, aber das muss sie meiner Meinung auch nicht. Die hier besprochene Maschine ist einfach in einem zu guten Zustand für eine Vollrestauration, da stören einige Gebrauchsspuren nicht weiter.

Bild: Escalator vor/nach der Reinigung

Bild: Bereich der Bremshebel vor/nach der Reinigung

Bild: Gereinigte Maschine

Nachdem die Maschine fertig ist, kann ich mich jetzt dem Gehäuse widmen. Wie ich schon bei der Restauration des Tura sagte, mag ich Holz als Werkstoff überhaupt nicht, aber ich wollte die Arbeiten diesmal selber machen. Ich habe also alle Teile des vollkommen demontierten Gehäuses abgebeizt, geschliffen und neu gebeizt. Glücklicherweise weist das Holz keine sehr tiefgehenden Beschädigungen auf, so daß auf den Ersatz oder die Reparatur derartiger Stellen verzichtet werden konnte.

Das nachstehende Bild zeigt die drei großen Teile nach dem Schleifen.

Bild: Gehäuseteile nach dem Schleifen

Das Beizen ist auch keine große Sache und war schnell erledigt. Auf dem folgenden Bild ist der vorher/nachher Zustand der Hebelseite des Gehäuses zu sehen.

Bild: Gehäuseseite vorher/nachher

Das fertiggebeizte Gehäuse muss allerdings noch lackiert werden, damit es glänzt. Dies mache ich aber erst in ein paar Tagen, wenn die Beize richtig durchgetrocknet ist.

Ich habe das Gehäuse jetzt lackiert und kann mit dem Zusammenbau beginnen. Auf dem obenstehenden bild sind die Seitenwände lediglich gesteckt und noch nicht verleimt. Für den eigentlichen Zusammenbau warte ich noch auf die Maschinengrundplatte. Diese muss allerdings noch Glasperlengestrahlt werden, nur hat mein "Haus und Hof" Strahler gerade Weihnachtsferien....

Nachdem alle Metallteile des Gehäuses vom Strahlen, Verzinken bzw. vom Verchromen wieder zurück sind, kann ich mit dem Zusammenbau beginnen. Ich arbeite mich dabei gewöhnlich von unten nach oben vor, d.h ich beginne mit der „Luftpumpe“. Dies ist natürlich keine Luftpumpe wie man sie vom Fahrrad her kennt, vielmehr handelt es sich um einen pneumatischen Dämpfer, der ein unkontrolliertes Zurückschnellen des Spielhebels verhindert. Die Pumpe besteht aus nur wenigen Teilen, besondere Aufmerksamkeit braucht man eigentlich nur der Lederdichtung und dem dazugehörenden Spreizer zu schenken. Wenn diese Teile Schäden (Risse, Verhärtungen etc. beim Leder oder abgebrochene Teile beim Spreizer) auf, sollte man sie ersetzen. Diese Teile sind in den USA problemlos zu bekommen. Nach dem Zusammenbau (Fetten nicht vergessen!) der Pumpe, muss sie als erstes wieder ins Gehäuse eingebaut werden, nach dem Einbau der Maschinengrundplatte kommt man an die hinteren Pumpenschrauben nicht mehr ran.

Bild: Gehäuseseite während des Zusammenbaus

Als nächstes baue ich die Münzauszahlschale ein, dann die Grundplatte der Maschine. Beide Teile wurden lediglich glasperlengestrahlt.) Die Platte liegt auf 4 Holzklötzen auf die seitlich über Schlossschrauben und von unten mit Holzschrauben mit dem Gehäuse verbunden sind. Alle Muttern der verwendeten Schlossschrauben haben übrigens eine Vierkantform, ein entsprechender Schlüssel, den man braucht um die teilweise versenkt liegenden Muttern zu erreichen, ist nicht ganz leicht aufzutreiben. Dass die Schrauben außerdem noch recht große Toleranzen bzgl. ihrer Größe aufweisen, macht die Sache nicht einfacher. Ein fester Sitz aller Schrauben ist allerdings absolut notwendig, da die Maschine während des Spiels recht stark belastet wird. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die Maschinenführungen an den zur Front der Maschine gerichteten Schrauben der Grundplatte befestigt. Diese sorgen später für eine korrekte Positionierung des Mechanismus im Gerät.

Bild: Kassenboxbereich vorher/nachher

Dann folgt die Spielhebelgrundplatte mitsamt dem eigentlichen Hebel. Hier gibt es nichts Besonderes zu beachten, klar sollte nur sein, dass alle beweglichen Teile an den entsprechenden Stellen gefettet werden müssen. Etwas Aufmerksamkeit erfordert lediglich die zentrale Befestigungsschraube des Hebels, sie muss wieder mit dem verschraubten Splint gesichert werden. Jetzt kann der Pumpenmechanismus an den Hebel angeschlossen und die Einstellung der Pumpe geprüft werden. Der Hebel, der durch die angebrachte Feder aus einer ausgelenkten Position wieder in die Nullstellung gezogen wird, sollte sich nicht schlagartig, sondern leicht gedämpft, sanft wieder nach oben bewegen.

Als letztes folgen die Maschinenverriegelungen und die Halter für die obere hintere Abdeckung.

Bild: Gehäusefront während des Zusammenbaus

Damit sind die inneren Anbauteile wieder vollständig angebracht.

Es folgt die untere Frontabdeckung. Diese wird mit insgesamt vier Schlossschrauben (eine auf jeder Seite, außerdem zwei von unten) befestigt.

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, den Mechanismus einmal probehalber einzusetzen. Wenn man ihn korrekt auf der Grundplatte aufsetzt, gleitet er leicht bis zum Anschlag auf der Platte nach vorne. Die hinteren Maschineverriegelungen sollten jetzt einfach und ohne übermässigen Kraftaufwand in ihre Sperrstellung gebracht werden. Setzen sie auf der Mechanismusbasisplatte auf, ist meistens der Jackpot auf der Maschinenvorderseite falsch eingestellt. Er steht zu weit vorne und steht damit als Anschlag einer einwandfreien Positionierung des Mechanismus im Weg. (Abhilfe: beide untere Schrauben und die obere Schraube der Jackpothalterung lösen und die ganze Einheit etwas näher Richtung Walzen drücken, natürlich dabei auf den notwendigen Abstand zu den Walzen achten!)

Die nächste größere Baueinheit, die vervollständigt werden muss, ist die vordere Chromabdeckung mit der Walzenglasscheibe. Hier gilt es einige Teile zu montieren. Ich fange mit der Walzenabdeckung an. Diese hält außerdem den Gewinnplan und das Walzenglas. (Vorher habe ich die Walzenabdeckung natürlich komplett geschliffen und wieder weiß lackiert, durch die Formgebung des Teils ist das eine recht anstrengende Sache) Die Glasscheiben liegen übrigens nicht direkt an der Walzenabdeckung an, sondern sind durch dünne Papprahmen von ihr getrennt.Das Einzige was hier sonst noch zu beachten ist, ist dass einige Gewinde nachgeschnitten werden müssen, da durch die Verchromung doch einiges an Materialauftrag hinzugekommen ist. Sonst gibt es beim Zusammenbau der oberen Gehäuseteile eigentlich nichts schwieriges.

Hier nun die Bilder des fertigen Gerätes:

Bild: Jennings Governor restauriert

Bild: Jennings Governor restauriert 2

Bild: Gehäusefront vorher/nachher

Bild: Detail 2

Damit ist die Restauration dieses Gerätes beendet. Auch dieses Projekt hat wieder ca. 2 Monate in Anspruch genommen -einige Arbeitspausen nicht mit eingerechnet-, aber bei einer solchen Arbeit sollte Zeit keine Rolle spielen.

Nur der Vollständigkeit halber:

Auch dieses Gerät ist unverkäuflich!

 
   

   © 2002 by Top-Fuel •