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Mechanische Slot Machines
Überholung "Tura Bell"
Die "Tura Bell" ist eine Slotmachine der Tura Automatenfabrik in Leibzig. Sie wurde in den 30er Jahren gebaut und verwendete eine Mechanik der Firma Mills. Während des Nazi-Regimes wurden diese Geräte in Deutschland verboten, tauchten aber in den 50er Jahren nochmals -in abgewandelter Form als "Heros" der Firma Rhein-Ruhr Automatenbau, Düsseldorf, auf. Hauptunterschiede zum Tura-Bell waren der fehlende Jackpot und eine Spieldauer von 15 Sekunden. Der Tura galt während seiner Bauzeit als Geschicklichkeitsspiel, da er 3 Walzenstoptasten besass, die ein vorzeitiges Anhalten der einzelnen Walzen ermöglichten. Leider habe ich noch kein Gerät gesehen, bei dem diese Vorrichtung noch vorhanden gewesen ist, scheinbar wurde sie bei allen Geräten entfernt.
Die hier gezeigte Maschine habe ich gerade bei eBay gekauft. Der Preis war recht günstig und die Maschine ist nahezu im Originalzustand, von der Lackierung einmal abgesehen. Es handelt sich um einen "Tura Bell" aus den dreiziger Jahren.
Glücklicherweise habe ich eine zweites gleiches Gerät, das allerdings nicht komplett ist und daher nur als Teilespender dienen kann. Ich werde die Tage mit der Überholung beginnen und die einzelnen Schritte hier zeigen. Die Bilder zeigen die Maschine im jetzigen Zustand.

Bild: Tura Bell (aussen) um 1933

Bild: Tura Bell (aussen)

Bild: Tura Bell (innen)
Als erstes wird das Holzgehäuse restauriert werden, was ich allerdings machen lassen werde, das Holz nicht unbedingt zu meinen Lieblingswerkstoffen gehört. Danach werden die Metallgehäuseteile überholt. Der letzte, weil für mich der einfachste Teil, ist die Restauration der Maschine.
Schritt eins ist der einfachste, aber zugleich der wichtigste Teil, das Zerlegen. Wenn man sich hier nicht genügend Notizen macht, hat man später ein echtes Problem. Meine Vorgehensweise ist sehr einfach, aber sicher. Ich besorge mir Plastiktüten in ausreichender Anzahl und verschiedenen Größen. Ich meine dabei die Art von Tüten, die diese Druckleiste haben um sie sicher zu verschliessen. Als nächstes wird das Gerät bei geöffneter Rückwand von allen Seiten fotografiert. Danach wird die Maschine als Einheit entfernt. Sie kommt erst später an die Reihe. Ich gehe normalerweise so vor: zuerst wird eine einzelne Baugruppe komplett entfernt und in einer Tüte gepackt. Diese Tüte wird mit dem Namen der Baugruppe beschriftet, z.b. "Gehäuse innen oben links" und mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Das Nummerieren hat den Vorteil, dass man beim Zusammenbau genau weiß welche Reihenfolge einzuhalten ist. Hier ein paar Bilder von der Demontage.

Bild: Gehäuse nach Entfernung der Maschine und der Demontage einiger Teile
Auf diesem Bild sieht man das Gehäuse von innen. Die Verriegelungen auf der linken Seite und die gesamte Hebelmechanik sind bereits ausgebaut. Der Jackpot und der Münzprüfer sind noch eingebaut. Das nächste Bild zeigt das Gehäuse unmittelbar vor der Entfernung der Metallfrontteile.

Bild: Das Gehäuse vor der Entfernung der Metallteile
Die Gehäuseteile wurden im Laufe der Zeit vielfach überlackiert und sind in grau-grüner Farbe lackiert. Um diese Farbe zu entfernen, werden die Teile sandgestrahlt. Das folgende Bild zeigt einige der Teile nach dem Strahlen.

Bild: Gehäuseteile nach dem Sandstrahlen
Ursprünglich war dieses Gerät hochglanzpoliert und die Ornamente waren mit Farbapplikationen versehen. Das Hochglanzpolieren ist eine sehr schmutzige Arbeit und erfordert eine Vielzahl von verschiedenen Poliermitteln. Man kann zwar kleinere Teile mit im Handel erhältlichen Poliersets durchaus selber in guter Qualität polieren, aber ich habe mich entschieden dies von einem Fachbetrieb machen zu lassen. Ich habe genügend Motorradteile selbst poliert und tue mir das nicht mehr an. Da das Polieren einige Zeit dauert, kann man sich anderen Teilen der Maschine zuwenden. Das Holzgehäuse ist nun fertig zur Bearbeitung. Das Bild zeigt das nackte Gehäuse.

Bild: Leeres Gehäuse
Wie man auf dem Bild erkennen kann, hat an diesem Gehäuse die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Die aus mehreren Teilen zusammengeleimte Grundplatte weist deutliche Lücken auf und alle Holzteile wurden mehrfach "verschönert". Außerdem ist die Grundplatte schwarz und nicht wie es sein müsste eichenfarbig. Wie man ein derartiges Gehäuse fachgerecht restauriert, zeigt Marty Wilke auf seiner Website (siehe Link auf der Linkseite). Marty ist genau wie ich der Auffassung, dass möglichst viel vom Originalholz erhalten bleiben sollte. Wie schon vorher erwähnt, mag ich Holzarbeiten nicht, außerdem fehlen mir hier die erforderlichen Werkzeuge und vor allen Dingen die nötige Übung im fachgerechten Umgang mit diesem Material. Also habe ich das Gehäuse zu einem Fachmann gebracht, der die Instandsetzung vornehmen wird.
Während der Wartezeit auf die verschiedenen Gehäuseteile kann bereits mit der Arbeit an der Maschine begonnen werden. Da die Maschine noch recht gut in Schuss ist, habe ich mich entschlossen, sie lediglich zu zerlegen und zu reinigen. Defekte Bauteile werden dabei selbstverständlich repariert. Einige Teile weisen leichte Beschädigungen der Oberflächenbeschichtung auf, aber diese werden lediglich gereinigt werden und nicht neu beschichtet. Auf diese Art bleibt der antike Charakter der Maschine erhalten. Selbstverständlich ist allerdings, dass alles hundertprozentig funktionieren muss. Vor dem Zerlegen gilt es wieder möglichst viel Bilder aus allen möglichen Blickwinkeln zu machen. Es folgen einige Bilder aus den verschiedenen Zerlegungsphasen.

Bild: Maschine von vorne vor dem Zerlegen

Bild: Maschine von hinten vor dem Zerlegen

Bild: Walzeneinheit und linke Seitenhalterung entfernt
Auf dem vorigen Bild sieht man, dass die Abdeckung des Münzschieberpaketes Korrosionsspuren aufweist. Wie schon weiter oben erwähnt, belasse ich das Bauteil in diesem Zustand, da ich beschlossen habe die Maschine aufgrund des sehr guten Allgemeinzustandes nur zu überholen. Die Abdeckung weist übrigens als einziges Bauteil derartige Spuren auf.

Bild: Grundplatte mit Münzschiebern
Wie man auf dem vorangegangen Bild gut erkennen kann, ist die Grundplatte durch Öl- und Fettrückstände sehr schmutzig. Am besten reinigt man solche Teile mit im Autozubehör erhältlichen Bremsenreiniger. Anschließend wurde die gesamte Grundplatte mit einer Messingdrahtbürste gründlich gereinigt. Das nächste Bild zeigt die Platte während der Reinigung. Je nach Zustand dauert dieser vorgang ca. 2-3-Stunden. Danach sollte die Platte sauber sein und keinerlei Öl- und Fettrückstände aufweisen. Die Metallplatte in der unteren rechten Ecke stammt übrigens von einer Reparatur, die irgendwann mal vorgenommen wurde.

Bild: Grundplatte während der Reinigung
Das folgende Bild zeigt die gereinigte Platte nach dem erfolgtem Einbau des Münzschieberpaketes und des Uhrwerks. Alle diese Teile wurden vor dem Einbau natürlich zerlegt und in einem Ultraschallbad gereinigt. Bei dem Uhrwerk gehört in die Lagerung der Zahnräder eine Portion Fett.

Bild: Münzschieberpaket und Uhrwerk bereits eingebaut, aber vor der erneuten Zerlegung
Da ich die Ergebnisse des Reinigen nur mit einer Messingbürste nicht als ausreichend empfunden habe, habe ich mich entschlossen die Grundplatte, die beiden Seitenteile und einige weitere Kleinteile aus Guss Glasperlenstrahlen zu lassen.
Hier sind Bilder der bereits wieder zusammengebauten Maschine. Der Zusammenbau geschieht in der umgekehrten Reihenfolge des Zerlegens.

Bild: Gereinigte Maschine
Wie schon erwähnt, wurde die Maschine lediglich zerlegt und die Gussteile wurden gestrahlt, alle anderen Teile wurden lediglich saubergemacht. Trotzdem ist der Unterschied zum ursprünglichen Zustand schon sehr verblüffend.

Bild: Detailaufnahme der gereinigten Maschine
Beim Zusammenbau sind einige Dinge zu beachten, die für das spätere einwandfreie funktionieren des Gerätes wichtig sind. Alle beweglichen Teile leicht(!) fetten und besonders bei der Montage der beiden Steuerwellenlager auf die Einbaurichtung achten. Durch die damaligen Fertigungsmethoden passen sie nur in einer Richtung ohne das die Welle später klemmt. Auf dem Bild der fertig gereinigten Maschine sind übrigens die Walzenstreifen noch nicht angebracht, da bei späteren Einstellarbeiten immer die Gefahr besteht sie zu verschmutzen.
Übrigens habe ich mir in den USA Nachdrucke der Originalstreifen bestellt, da diese nicht mehr wirklich schön waren. Außerdem waren einige Gewinnsymbole mit Symbolen überklebt, die nicht zu einem Gewinn führen, z.b. Zitronen. Bei der hier besprochenen Maschine handelt es sich um eine Tura, die einen Mechanismus der Fa. Mills, Chicago verwendet. Allerdings verwenden die meisten derartigen -mir bekannten- Maschinen keine der in den USA üblichen Fruchtsymbolwalzenstreifen, sondern Zahlen. Die Fruchtsymbole bei dieser Maschine sind aber sicherlich original, da ich eine zweite davon habe, die fast die gleichen hat. Der einzige Unterschied liegt im Jackpotsymbol. Diese Maschine hier hat lediglich einen schwarzen Balken, während mein anderer Bandit an dieser Stelle den Schriftzug "BELL-FRUIT-GUM" und die Bezeichnung "Copyright 1910 Mills Novelty Co. Chicago" aufweist. Diese Version ist ein Standard bei alten Mills Maschinen und deshalb relativ einfach als Nachdruck in guter Qualität zu bekommen. Wenn die Maschine später fertiggestellt ist, werden die Originalstreifen allerdings unverlierbar im Innern des Gehäuses untergebracht um auch hier jederzeit wieder den Originalzustand herstellen zu können. Das folgende Bild zeigt einen Vergleich der beiden Walzenstreifensets.

Bild: Walzenstreifen
Interessant ist bei diesen Streifen übrigens, dass jede Walze des Automaten nur 10 mögliche Haltepunkte hat, jeder Streifen aber 20 Symbole aufweist. Die Hälfte der Symbole ist also nur Fake und erscheint niemals auf der Gewinnlinie. Die "echten" Symbole stehen jeweils an den ungeraden Positionen 1,3,5...usw. wenn man von der unteren Seite der Streifen zählt. Man kann also einfach feststellen, dass sich das Jackpotsymbol auf jedem Steifen nur einmal in einer gültigen Position befindet. Die Symbolunterschiede zwischen den alten und neuen Streifen resultieren aus den schon erwähnten Änderungen durch überkleben. Betrachtet man die beiden linken Streifen, die von der linken Walze stammen, sieht man es deutlich; das vorletzte Symbol am oberen Rand ist beim alten Streifen eine Zitrone (falsch) und beim neuen Streifen eine Kirsche (richtig). Durch das zusätzliche Verschliessen des entsprechenden Loches des Indexrades konnte die Auszahlquote gesenkt werden, da eine Kirsche alleine auf der linken Walze bereits einen Gewinn von 2 Münzen bedeutet, eine Zitrone aber keinen Gewinn bringt. Diese Streifen heißen übrigens "Mills 10 Stop Reel Strips"
Mittlerweile nähert sich auch das Gehäuse seiner Fertigstellung. Es wurde komplett zerlegt und geschliffen. Ausgebrochene Ecken wurden nachgearbeitet bzw. mit Holzstücken aufgefüllt. Da es sich bei dem verwendeten Holz um massive Eiche handelt, wird es anschliessend nur in einem dunklen Farbton gebeizt, um den Originalcharakter dieser Holzsorte zu erhalten. Hier ein Bild des Gehäuses, auf dem die Gehäuseinnenseiten allerdings noch nicht geschliffen sind. Es wurde lediglich für dieses Bild einmal zusammengesetzt.

Bild: Gehäuse während der Restauration
Sobald das Gehäuse fertig gestellt ist, kann mit dem Zusammenbau begonnen werden.
Das Gehäuse ist jetzt fertig und auf dem folgenden Bild bereits wieder mit einigen Komponenten bestückt. Alle Teile an den Seitenteilen sind übrigens mit Schlossschrauben in Zollmassen befestigt, die man hier nicht unbedingt an jeder Ecke kaufen kann. Deshalb habe ich metrische Schrauben der Grösse M5 x 35 verwendet, deren Vierkant an der abgerundeten Seite problemlos in die Löcher des Gehäuses passen. Der Hebel und die zugehörende Rosette wurden neu verchromt und sind ebenfalls bereits eingebaut.

Bild: Gehäuse nach der Restauration
Ich finde den Unterschied schon recht eindrucksvoll, wenn man sich dieses Bild und als Vergleich dazu das oben auf dieser Seite stehende Bild des Gehäuses vor dem Zerlegen betrachtet. Vorher war die Originalmaserung des Eichenholzes unter den zahlreichen Farbschichten nicht mehr zu erkennen, sondern lediglich durch eine bestimmte Lackiertechnik nachgeahmt.
Als nächstes werden die Metallteile für die Front des Gerätes bearbeitet, die inzwischen hochglanz poliert wurden. In diesen Teilen sind zahlreiche Muster eingelassen, die farbig lackiert werden müssen. Nach dem Strahlen dieser Teile waren noch einige Spuren der Originalfarben zu erkennen, sodass das Farbschema erkennbar war. Das Lackieren gestaltet sich allerdings schwieriger als erwartet. Selbst bei sehr peniblem Abkleben der Stellen, die keinen Lack abbekommen sollen, lässt es sich nicht immer vermeiden, dass es doch mal passiert. Nach diesen Anfangsschwierigkeiten klebe ich gar nicht mehr ab, sondern versuche mit einem kleinen Pinsel sehr genau zu arbeiten. Wenn etwas Farbe an eine falsche Stelle gerät, kann man es relativ leicht mit einem Lappen wegwischen. Eventuell übrigbleibende Farbspuren lassen sich nach dem Trocknen problemlos wegpolieren.

Bild: Metallteile während der Lackierung
Eine Erneuerung steht jetzt auch allen Glasteilen bevor. Die Walzen- und Jackpotgläser weisen zuviele Kratzer und Abplatzer an den Seiten auf, um wiederverwendet zu werden. Ausserdem sollen die Pfefferminzschächte wieder verglast werden. (Bei vielen Geräten dieser Baujahre konnte man zusätzlich Pfefferminzrollen gewinnen, dies hat wiederum seinen Ursprung in einem merkwürdigen amerikanischen Gesetz...) Die drei Löcher dieser Schächte kann man auf dem Bild oben gut neben der Aussparung für den Jackpot erkennen.
Im Moment warte ich auf die Glasscheiben, wenn diese da sind, kann die Arbeit abgeschlossen werden.
Leider habe ich vollkommen vergessen, diese Seite endlich abzuschliessen, aber lieber spät als gar nicht.... Hier sind also die Bilder des fertigen Gerätes:

Bild: Tura-Bell nach der Restauration

Bild: Tura-Bell nach der Restauration

Bild: Tura-Bell Detail
Damit ist die Restauration dieses Gerätes beendet. Der obere Gewinnplan fehlt noch, aber dafür suche ich noch eine Vorlage.
Dieses Gerät ist nicht verkäuflich!
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